FWBO in Deutschland
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FWBO - Gesicht vom Buddha

Foto ©Buddhistisches Zentrum Essen

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Der FWBO – eine lebendige spirituelle Gemeinschaft

E ine interessante Begebenheit aus dem Leben des Buddha berichtet, wie sein Cousin und langjähriger Begleiter Ananda einmal nach tiefer Reflexion ausrief: "Spirituelle Freundschaft ist das halbe spirituelle Leben!" Darauf ermahnte ihn der Buddha freundlich und sagte: "Nein, Ananda, sage das nicht. Spirituelle Freundschaft ist nicht das halbe, sie ist das ganze spirituelle Leben!"

Diese Worte des Buddha versucht der FWBO sehr ernst zu nehmen.

Die traditionelle Form, sich zum Buddhismus zu bekennen, besteht darin zu sagen, dass man zum Buddha, seiner Lehre und seiner Gemeinschaft (also zum Buddha, Dharma und Sangha) Zuflucht nimmt. Der Gemeinschaft, dem "Sangha" wird also überall in der buddhistischen Tradition großer Wert beigemessen. Wenn wir dem buddhistischen Pfad folgen möchten, brauchen wir andere Menschen, von denen wir lernen können. Wir brauchen einerseits den Kontakt mit erfahreneren Übenden, mit Menschen, die ein tieferes Verständnis der buddhistischen Lehre haben als wir, die uns persönliche Anleitung geben und ein gelebtes Vorbild sein können. Ebenso wichtig ist aber auch der Kontakt mit Praktizierenden auf dem gleichen Erfahrungsnivau. Hier können wir uns austauschen und gegenseitig ermutigen und gerade solche Freundschaften können der entscheidende Faktor sein, der uns durch Krisenzeiten retten kann, die unweigerlich irgendwann auftreten werden. Spirituelle Übung ist herausfordernd und wir brauchen dazu alle Unterstützung, die wir bekommen können.

Im FWBO überlassen wir das Entstehen von solchen tiefen Verbindungen zwischen Übenden nicht dem Zufall, sondern versuchen, ihr Entstehen aktiv zu fördern. Studiengruppen, Ordinationsvorbereitungs-Gruppen, die lokalen "Kapitel" im Orden, sowie Projekte, in denen Menschen zusammen leben und/oder zusammen arbeiten, bieten konkrete Rahmenbedingungen, in denen sich durch regelmäßigen Kontakt Freundschaften entwickeln können. Letztendlich möchte der FWBO keine Organisation im herkömmlichen Sinne sein, sondern vor allem ein echtes Netzwerk persönlicher spiritueller Freundschaften.

Im FWBO praktizieren: der Einstieg

Obwohl die meisten lokalen FWBO-Gruppen ihrer juristischen Form nach eingetragene Vereine sind, kann man im FWBO nicht im formellen Sinne "Mitglied" werden. Es gibt keine Mitgliederlisten, Mitgliedergebühren oder ähnliches. Man kann an Veranstaltungen des FWBO so oft oder so selten teilnehmen, wie man möchte, ohne jegliche Verpflichtungen einzugehen.

Für Menschen, die bereits regelmäßiger kommen, bieten wir weiterführende Angebote an. Viele Menschen kommen über Jahre immer wieder und ziehen offensichtlich Nutzen aus dem Gelernten, ohne je den Wunsch zu hegen, sich zum Buddhismus zu bekennen oder mit dem FWBO eine verbindlichere Beziehung einzugehen.

Andere empfinden nach einer gewissen Zeit das Bedürfnis, einen deutlicheren Schritt zu vollziehen und dem Buddhismus einen ausdrücklicheren Platz in ihrem Leben zu geben. Wer das möchte, dem steht es offen im FWBO "Mitra" zu werden. Das Sanskrit-Wort Mitra bedeutet einfach Freund/Freundin, der Betreffende bringt damit also zum Ausdruck, dass er sich mit dem Westlichen Buddhistischen Orden freundschaftlich verbunden fühlt. In einer kleinen Zeremonie und im Beisein einiger Menschen aus der Gemeinschaft bringt der oder diejenige dann dem Schrein die drei traditionellen Opfergaben dar – eine Blume, eine Kerze und ein Räucherstäbchen. Später rezitiert er oder sie mit den anderen gemeinsam die Formel der "Zufluchten und Vorsätze".

Mit diesem einfachen Ritual bringt man drei Dinge zum Ausdruck: Erstens erklärt man sich damit zur Buddhistin bzw. zum Buddhisten. Zweitens erklärt man, dass man die fünf grundlegenden ethischen Vorsätze des Buddhismus üben möchte: Nicht absichtlich zu töten oder zu verletzen; nichts zu nehmen, was einem nicht gegeben wurde; in sexuellen Beziehungen niemanden auszubeuten oder zu verletzen; nicht unwahrhaftig zu sprechen; und keine den Geist trübenden Substanzen zu konsumieren. Drittens bringt man damit zum Ausdruck, dass man den FWBO als konkreten Kontext für die weitere buddhistische Übung wählt.

Für Mitras gibt es an den meisten Zentren besondere Angebote, vor allem längerfristig angelegte Studiengruppen, besondere Retreats u.ä.

Wer unsere Programme aufmerksam liest, wird bemerken, dass viele – wenn auch keineswegs alle – der Angebote für Fortgeschrittene entweder für Frauen oder für Männer ausgeschrieben sind. Das gilt insbesondere für Studiengruppen und für intensivere Retreats. Das mag zunächst verblüffen, doch die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Menschen es in Abwesenheit des anderen Geschlechts leichter finden, sich zu entspannen und emotional zu öffnen. In einer reinen Frauen- bzw. Männergruppe kann es leichter fallen, alte Rollen loszulassen, Vertrauen zu entwickeln und einfach aufrichtig man selbst zu sein. Außerdem können Frauen und Männer manchmal recht unterschiedliche Herangehensweisen an ihre Praxis haben oder andere Schwerpunkte setzen. Darum ist es auch so wichtig und erfreulich, dass im FWBO unter den Lehrenden sowohl Frauen als auch Männer vertreten sind.

Vom Lernen und vom Lehren
– oder: Wo sind die Gurus?

Der FWBO kennt keine formelle "ekklesiastische" Hierarchie. Sogar der Orden selbst hat kein offizielles spirituelles Oberhaupt. Doch auch wenn Lehrer-Schüler-Beziehungen nicht formell geregelt sind, bilden sie einen unerlässlichen Teil buddhistischer Übung.

Im FWBO werden zwei Dimensionen von spiritueller Freundschaft unterschieden: sogenannte "horizontale Freundschaften" mit Übenden auf dem etwa gleichen Erfahrungsniveau und sogenannte "vertikale Freundschaften" mit Menschen, die in ihrer spirituellen Übung erfahrener sind. Erstere sind wichtig, weil sie ein wertvolles Netz gegenseitiger praktischer und moralischer Unterstützung bieten. Freundschaft der zweiten Art wird in den buddhistischen Schriften "Kalyana Mitrata" genannt (Sanskrit, wörtl.: Edle Freundschaft). Kalyana Mitras können Anleitung und Führung geben und schon allein dadurch, dass sie selbst ein lebendiges Vorbild für buddhistische Praxis sind, den Übenden ermutigen und inspirieren.

Im FWBO ermutigen wir das Entstehen solcher Kalyana Mitra-Beziehungen, aber wir legen Wert darauf, dass sie aus echten menschlichen Beziehungen wachsen und nicht rein formellen Charakter haben. Einem Übenden kann daher niemals ein Lehrer oder eine Lehrerin "zugewiesen" werden, sondern das Lehrer-Schüler-Verhältnis wächst allmählich und in natürlicher Weise in dem Maße, in dem sich Vertrauen und Respekt bilden. Meist knüpfen Übende solche Kontakte mit mehreren Ordensangehörigen, so dass sich statt einer einzigen, exklusiven Lehrer-Schüler-Beziehung eher eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen, hilfreichen Beziehungen entwickelt.

In Vorbereitung auf Ordination ist es möglich zwei Kalayana Mitras um ein verbindlicheres Band zu bitten. Bei gegenseitigem Einverständnis wird dies dann in einer kleinen Zeremonie formell besiegelt, und die beiden Kalyana Mitras nehmen dann eine aktivere spirituelle Begleitung des jeweiligen Übenden auf.