FWBO in Deutschland
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FWBO - Gesicht vom Buddha

Foto ©Buddhistisches Zentrum Essen

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Als Buddhist leben – konventionelle und alternative Lebensstile

U m über längere Zeit eine buddhistische Praxis aufrecht zu erhalten, ist es wichtig, auch äußerlich unterstützende Bedingungen zu schaffen. Wie man lebt, wie man arbeitet, in welcher Umgebung man den größten Teil seines Tages verbringt, hat eine enorme Rückwirkung auf die Bemühungen in der spirituellen Praxis. Eine Stunde Meditation am Tag kann allein nicht aufwiegen, womit man die übrigen 23 Stunden verbringt. Eine langfristig erfolgreiche Praxis hängt darum davon ab, inwieweit es uns gelingt, so viele Lebensbereiche wie nur möglich zu Stützen unserer Praxis zu machen.

Die meisten Menschen, die im FWBO praktizieren, führen einen äußerlich ganz gewöhnlichen Lebenswandel, sie leben mit ihren Familien, mit einem Partner oder alleine und gehen ganz normalen Berufen nach. Manche möchten aber auch ihren äußeren Lebensumständen einen ausdrücklich buddhistischen Rahmen geben, sie wollen mit anderen Buddhisten zusammen leben und/oder arbeiten. Aus diesem Wunsch heraus sind im FWBO buddhistische Wohngemeinschaften entstanden, sowie sogenannte "Betriebe des Rechten Lebenserwerbs", d.h. Wirtschaftsunternehmen, in denen Buddhisten zusammen arbeiten. Einer kleinen Minderheit jedoch ist auch dies nicht radikal genug: Diese Menschen suchen eine Lebensform, die einen entschiedenen Rückzug aus der Mainstream-Gesellschaft darstellt und optimale Bedingungen für tiefe Meditation bietet, und wählen das Leben in einem Vihara, oder buddhistischen Kloster.

Im FWBO propagieren wir nicht einen bestimmten Lebensstil vor allen anderen. Im Gegenteil: Wir schätzen Vielfalt und sind der Überzeugung, dass es einer spirituellen Gemeinschaft gut bekommt, wenn in ihr Menschen aus vielen unterschiedlichen Lebensweisen zusammenkommen.

Welche Lebensweise auch immer man wählt: Jede birgt ihre besonderen Chancen für die buddhistische Übung und auch ihre eigenen Gefahren. In den Untermenüs erfahren Sie, wie der FWBO versucht, Menschen in verschiedenen Lebensumständen zu unterstützen.

Beruf und buddhistische Praxis

Berufstätigkeit macht einen sehr großen Anteil der Wachzeit der meisten Menschen aus. Es ist darum unvermeidlich, dass die Art unserer Arbeit, das Arbeitsumfeld und unsere Haltung dabei eine tiefe Wirkung auf unser Bewusstsein haben. Für BuddhistInnen, die sich ja entschieden haben aktiv an ihrem Geist und ihren Bewusstseinszuständen zu arbeiten, heißt das, dass sie versuchen sollten ihre berufliche Tätigkeit in ihre Übung einzubeziehen.

Leider haben Menschen oft eine Neigung, ihr Leben gedanklich in verschiedene "Bereiche" aufzuspalten. Gerade zu Beginn des buddhistischen Übungsweges kann das Gefühl entstehen, zwischen der formellen spirituellen Übung – etwa in Meditation, bei Gesprächen, Ritualen oder Dharma-Studium im örtlichen buddhistischen Zentrum – und dem Berufsalltag bestünde eine unüberbrückbare Kluft.

Im FWBO wird Wert darauf gelegt, die buddhistischen Lehren und Übungen wirklich für die gewöhnlichen Alltagssituationen anwendbar zu machen. Manche buddhistische Zentren haben darum spezielle Angebote für Berufstätige, wie etwa Wochenend-Workshops oder fortlaufende Studiengruppen zum Thema "Arbeit und Praxis". Hier können Themen erforscht werden wie: der eigene Umgang mit Energie und Leistung; Achtsamkeit; Ethik im Beruf; Rechte Rede am Arbeitsplatz; Beruf und Statusgefühl; Authentizität im beruflichen Umfeld; der Umgang mit Lob und Kritik und vieles mehr. Gelegentlich werden solche Angebote durch ein persönliches "Coaching" durch einen erfahrenen Ordensangehörigen ergänzt.

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Buddhistische Praxis im Familienkontext

Buddhistinnen und Buddhisten, die Kinder haben, stehen oft vor besonderen Herausforderungen: Wie bekommt man Beruf, Kinder, Haushalt unter einen Hut und schafft es zusätzlich, ausreichend Zeit für Meditation, Reflexion und den wichtigen Kontakt mit spirituellen Freunden zu finden?

Dass dies möglich ist, beweisen die vielen Menschen im FWBO, die mit ihren Familien leben und zugleich in ihrer buddhistischen Übung und der Gemeinschaft voll engagiert sind. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Praxis im Familienkontext liegt darin, keine künstliche Trennung zwischen diesen beiden Aspekten des Lebens zu ziehen, sondern alle Situationen des Familienalltags als Gelegenheit für buddhistische Übung zu begreifen.

Mit verschiedenen Angeboten versucht der FWBO Familien hierbei zu unterstützen. So bieten etwa viele Zentren Familienretreats an. Ein solches Familienretreat bietet den Erwachsenen eine Gelegenheit, sich mit anderen Übenden über besondere Fragen und Schwierigkeiten der Praxis im Familienkontext auszutauschen, während die Kinder auf spielerische Weise grundlegende buddhistische Lehren und Rituale kennen lernen können.

Manche Zentren bieten auch spezielle Elterngruppen an, in denen Väter und Mütter buddhistische Lehren unter dem Blickwinkel ihrer besonderen Lebenssituation erforschen. Bei buddhistischen Festen wird häufig ein Programm für Kinder angeboten. Manche Zentren bieten auch spezielle Tage oder Kurse für Kinder oder Jugendliche an, in denen Aspekte der buddhistischen Lehre in altersgemäßer Form erarbeitet werden.

Eltern, die dies wünschen, können ihre neugeborenen Kinder in einer buddhistischen Namensgebungszeremonie feierlich willkommen heißen. Eine solche Zeremonie stellt keine Art von "Taufe" dar, in der die Kinder Buddhisten werden, denn eine solche Entscheidung kann nur eigenständig im mündigen Alter getroffen werden . Sie ist eher eine Willkommens- und Segensfeier, mit der das Kind von der Familie und dem Freundeskreis rituell willkommen geheißen wird.

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Eine alternative Lebensform: Buddhistische Wohngemeinschaften

In traditionellen buddhistischen Kulturen Asiens war die wichtigste Alternative zu Familie und Beruf das Leben in einem Kloster. Wenn jemand keine Familie gründen wollte und stattdessen einen besonders förderlichen Rahmen für die buddhistische Übung suchte, gab es kaum eine andere Wahl als Mönch oder Nonne zu werden.

Heute haben wir viel mehr Alternativen und nur sehr wenige Menschen im Westen fühlen sich zu einem klösterlichen Leben hingezogen. Doch noch immer machen Menschen die Erfahrung, dass kollektive Situationen – also das Zusammenleben und gemeinsame Praktizieren mit anderen Buddhisten – überaus unterstützend wirken können.

Aus dieser Erfahrung heraus haben sich im FWBO buddhistische Wohngemeinschaften entwickelt. FWBO-Wohngemeinschaften sind so unterschiedlich wie die Menschen, die in ihnen leben: Ihr Erscheinungsbild reicht von ein paar Freunden, die sich ein Haus teilen, bis zu intensiven Situationen mit einem geregelten Programm von gemeinsamer Meditation, Studium, Ritual und Gemeinschaftsabenden. Am häufigsten findet man reine Frauen- bzw. Männerwohngemeinschaften, denn diese haben sich in der Praxis am besten bewährt.

Das Leben in einer buddhistischen Wohngemeinschaft bietet einen idealen Kontext, um spirituelle Freundschaft zu vertiefen, denn im Zusammenleben lernt man einander sehr viel besser kennen als bei wöchentlichen Begegnungen in einem buddhistischen Zentrum! Mit Menschen zusammenzuleben, die die gleichen Ideale teilen, kann unterstützend und ermutigend sein – und gelegentlich auch herausfordernd. Und es kann sehr dabei helfen, die eigene Übung konsequenter vom Meditationskissen in den Alltag zu übertragen.

Eine alternative Arbeitsform: buddhistische Betriebe "rechten Lebenserwerbs"

Es gibt viele Berufe, die insofern "rechten Lebenserwerb" darstellen, als sie ihrer Natur nach ethisch sind. Eine ganz besondere Form rechten Lebenserwerbs enstand im FWBO jedoch in den 70-er Jahren, als Menschen sich in Teams zusammentaten, um Geld für buddhistische Projekte zu verdienen. Sie bemerkten schnell, dass gemeinsames Arbeiten in sich selbst eine spirituelle Übung sein konnte, eine Art Arbeitsfeld für Gewahrsein, Kooperation und Eigeninitiative.

Heute gibt es im FWBO zahlreiche buddhistische Betriebe rechten Lebenserwerbs, darunter Bioläden, vegetarische Restaurants und Gesundheitszentren. Das größte dieser Unternehmen, Windhorse Trading, ist ein Großhandel für Geschenkartikel mit einer angeschlossenen Ladenkette. Es beschäftigt etwa 200 Menschen in Großbritannien, Irland, Spanien und Deutschland.

Solche buddhistischen Betriebe Rechten Lebenserwerbs unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht von gewöhnlichen Unternehmen:

  1. Obwohl sie ihren MitarbeiterInnen ausreichend finanzielle Unterstützung bieten, zahlen sie keine Gehälter im gewöhnlichen Sinne. Die Höhe der Unterstützung bemisst sich nicht nach der Art der Beschäftigung (ein Manager erhält also nicht mehr als ein Lagerarbeiter), sondern nach den individuellen Bedürfnissen der Menschen (wer Kinder hat, benötigt mehr als ein Single). Die finanzielle Unterstützung soll den MitarbeiterInnen eine einfache Lebensweise ermöglichen, die alle Grundbedürfnisse befriedigt, ohne aber einen Anreiz zu unnötigem Konsum oder dem Anhäufen persönlichen Besitzes darzustellen.
  2. Sie bemühen sich um hohe ethische Maßstäbe. Betriebe Rechten Lebenserwerbs vermeiden Produkte und Aktivitäten, die Menschen oder der Umwelt schaden, und bemühen sich einen positiven Beitrag in der Welt zu leisten. So bemüht sich z.B. Windhorse Trading um faire Handelsbeziehungen mit seinen Lieferanten in der Dritten Welt. Im Umgang mit Kunden, Lieferanten oder Partnern herrscht absolute Ehrlichkeit und ein freundlicher Umgangston. Auch innerhalb der Betriebe wird ein aufrichtiges und respektvolles Miteinander gefördert, das frei von Manipulation und Ausbeutung ist.
  3. Sie bieten einen Kontext für das Entstehen von spiritueller Freundschaft oder Kalyana Mitrata. Zusammen zu arbeiten ist die vielleicht effizienteste Weise, andere gut kennen zu lernen. Im Arbeitsalltag treten Gewohnheiten deutlich zu Tage, und er bietet ein reiches Übungsfeld für die Entwicklung von Geduld, Achtsamkeit, Freundlichkeit und Kooperationsfähigkeit. Buddhistische Betriebe schaffen in der Regel Gelegenheiten (wie etwa wöchentliche Zusammenkünfte der MitarbeiterInnen), in denen solche Themen besprochen werden. Hier können die MitarbeiterInnen sich über ihre eigene spirituelle Übung im Arbeitsalltag austauschen und gegenseitig darin unterstützen.
  4. Der erwirtschaftete Gewinn wird nicht behalten, sondern für hilfreiche Zwecke gespendet. Im Laufe der Jahre haben FWBO-Betriebe große Summen Geld gespendet: zur Unterstützung indischer Slum-Bewohner oder tibetischer Flüchtlingskinder ebenso wie für spezifisch buddhistische Aktivitäten. So unterstützen manche Betriebe ihr örtliches buddhistisches Zentrum oder stellen Gelder für neue buddhistische Projekte zur Verfügung.

Die Entwicklung rechten Lebenserwerbs war kein Kinderspiel. Viele FWBO-Unternehmen wurden mit mehr Idealismus als Geld und mit mehr gutem Willen als Know-How gegründet und viele haben nicht überlebt. Doch es gab auch große Fortschritte und heute existieren eine ganze Reihe buddhistischer Betriebe, die sowohl ihren MitarbeiterInnen eine spirituell fruchtbare Arbeitssituation bieten, als auch wirtschaftlich erfolgreich sind.

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Die radikale Alternative: Leben im Vihara

Seit es den Buddhismus gibt, gab es immer auch Menschen, die sich in ganz entschiedener Weise vom Trubel der normalen Welt zurückziehen wollten, um sich ganz einem Leben der Meditation und Kontemplation zu widmen. Schon zur Zeit des Buddha gab es neben den LaienanhängerInnen und den in größeren Klostergemeinschaften organisierten Mönchen und Nonnen auch Waldeinsiedler und allein lebende Wanderasketen.

Auch heute gibt es Menschen, die solch ein Leben führen möchten – ob nun für einige Jahre oder auf unbestimmte Zeit. Im FWBO sehen wir diesen Lebensstil als einen wichtigen Beitrag zu unserer Gemeinschaft, denn Menschen, die sich über längere Zeit derart intensiv ihrer formellen spirituellen Übung widmen, können tiefe Meditationserfahrung und Einsicht in die Gemeinschaft einbringen . Noch steckt die Entwicklung solcher Möglichkeiten im FWBO allerdings in den Kinderschuhen. Doch Anfänge sind durchaus vorhanden:

Schon seit 1986 existiert "Guhyaloka" (wörtl.: "Der geheime Ort"), ein abgelegenes Tal in Südspanien, das ganz der intensiven buddhistischen Übung gewidmet ist. Neben einem Retreatzentrum, das hauptsächlich für viermonatige Ordinationsretreats verwendet wird, und dem Unterstützungsteam, das dauerhaft im Tal lebt, um das Retreatzentrum und das Land zu versorgen, existiert in einem abgelegenen Teil des Tales ein kleines Vihara. Hier lebt eine noch sehr kleine Gemeinschaft von Männern, die ein vollständig klösterliches Leben führen und sich völlig der Meditation und dem Studium widmen. ( www.guhyaloka.com/valley.htm )

In der Dandenong Ranges Buddhist Community in Australien ist ein ähnliches Projekt für Frauen in Vorbereitung. Schon vor einigen Jahren wurde hier vom FWBO Land erworben und ein Vihara ins Leben gerufen. Leider wurde die Entwicklung durch heftige Buschfeuer um einige Jahre zurückgeworfen. ( www.fwbo.org.au/drbc/Events/Vihara.html )

Eine Zwischenform zwischen dem konsequenten Vihara-Leben und dem Leben rund um ein lebhaftes buddhistisches Stadtzentrum bieten Retreatzentren auf dem Land. In den größeren FWBO-Retreatzentren lebt oft eine Gemeinschaft von Menschen, die das jeweilige Zentrum betreuen und unterhalten. Obgleich das Leben in einem solchen Retreatzentrum durchaus arbeitsreich und nicht immer meditativ ist, bietet es eine dem klösterlichen Leben ähnliche Konzentration: Leben, Arbeiten und gemeinsame Praxis mit anderen BuddhistInnen in einer ablenkungsarmen Umgebung. Solche Retreatgemeinschaften existieren derzeit in Großbritannien, Spanien, den USA, Indien und Neuseeland.

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