FWBO in Deutschland
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FWBO - Gesicht vom Buddha

Foto ©Buddhistisches Zentrum Essen

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Was ist der FWBO?

D ie Essenz des Buddhismus ist unveränderlich und nicht an bestimmte Kulturen oder Zeiten gebunden. Doch die besondere Art und Weise, wie die buddhistischen Grundwahrheiten zum Ausdruck gebracht werden, hat sich schon immer den Bedingungen der jeweiligen kulturellen Situation angepasst. Darum hat die buddhistische Tradition im Laufe der Jahrtausende eine derart bunte und vielfältige Landschaft unterschiedlicher Traditionen und Schulen hervorgebracht.

Der FWBO ist eine der jüngsten Traditionen innerhalb dieser vielfältigen Landschaft. Er wurde 1967 vom Ehrw. Sangharakshita in England gegründet mit dem besonderen Anliegen, die buddhistische Lehre in einer für Westler zugänglichen und im Alltag umsetzbaren Form anzubieten. In nahezu 40 Jahren hat sich aus dem anfangs ungewissen Experiment eine gut etablierte, weltweite buddhistische Gemeinschaft entwickelt, die ein klar aufgebautes Übungssystem und dafür unterstützende Angebote zur Verfügung stellt. Und obwohl sich der FWBO ursprünglich besonders an Westler richten wollte, hat sich unsere Gemeinschaft inzwischen über dieses Ziel hinausentwickelt: Ein großer Zweig des FWBO ist mittlerweile in Indien (unter dem Namen TBMSG) herangewachsen.

In den verschiedenen Untermenüs können Sie eine Menge über uns erfahren: Zum einen ganz Grundlegendes, wie z.B. welche konkreten Praktiken wir unterrichten und wo wir uns in der buddhistischen Tradition einordnen lassen. Andererseits können Sie auch einen Eindruck von einigen eher ungewöhnlichen Facetten des FWBO gewinnen: Wieso unterrichten manche Buddhisten mitten im Trubel eines Festivals auf einer Wiese in einem Zelt Meditation? Was hat es mit buddhistischen Kunst-Zentren auf sich? Kann eine buddhistische Firma wirklich 'anders' funktionieren und dennoch wirtschaftlich erfolgreich sein? Wie engagieren sich Buddhisten in den indischen Slums? Klicken Sie sich durch die verschiedenen Untermenüs, um die vielfältigen Aktivitäten des FWBO kennen zu lernen.

Auch nach 40 Jahren ist die Entwicklung des FWBO nicht abgeschlossen. Eine spirituelle Tradition in einem neuen kulturellen Umfeld zu verankern, braucht viel Zeit und Erfahrung. Darum verstehen wir uns nach wie vor als Lernende. Wir möchten immer weiter erforschen, wie buddhistische Praxis noch wirksamer das Leben vieler Menschen bereichern und verändern kann.

Der FWBO – eine buddhistische Tradition

J ede der buddhistischen Schulen und Traditionen setzt eigene Schwerpunkte und bietet ein in sich stimmiges Übungskonzept. Falls Sie bereits einiges über Buddhismus wissen, möchten Sie vielleicht wissen, wo Sie den FWBO innerhalb der buddhistischen Tradition einordnen können, wie und warum er entstanden ist und welche besonderen Akzente in der Lehre er setzt. Dazu finden Sie einiges Interessantes in den ersten drei Submenüs. Falls solche theoretischeren Fragen Sie weniger interessieren, schauen Sie doch direkt ins Submenü "Praxissystem". Dort erfahren Sie konkret, welche Methoden wir verwenden und wie unser Übungssystem aussieht.

FWBO – Entstehung und Geschichte

Die Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens (FWBO) wurden 1967 von Sangharakshita gegründet, einem Engländer, der zuvor zwanzigJahre als buddhistischer Mönch in Indien gelebt hatte. Nach seiner Rückkehr nach England Mitte der Sechzigerjahre erkannte er, dass eine neue buddhistische Bewegung nötig war, die einerseits den Werten und Lehren der buddhistischen Tradition treu bleiben, andererseits aber den Bedingungen der modernen Welt angemessen sein sollte.

Sangharakshita war der Überzeugung, dass es ein Fehler wäre, zu versuchen einfach eine der bereits bestehenden, ausgeformten asiatischen Schulen des Buddhismus unverändert in die neue Umgebung zu verpflanzen, ohne die großen Unterschiede in Mentalität und Lebensumständen zu berücksichtigen. Andererseits war er nicht bereit, die buddhistische Lehre zu verwässern, um sie dem zeitgenössischen Geschmack anzupassen. Stattdessen beschloss er, sich auf die Kernlehren zu konzentrieren, die allen buddhistischen Schulen gemeinsam sind, und die neu entstehende Bewegung fest in diesen zu verankern.

Sangharakshita begann in einem Londoner Kellergeschoss zu unterrichten und bot dort Meditationseinführungen, Vorträge und Kurse an sowie Meditationszeiten auf dem Land. Sehr schnell bildete sich um ihn herum eine Gemeinschaft von Menschen, die sich von seiner Darlegung des Buddhismus angesprochen fühlten. Ein Jahr nach der Gründung des FWBO entstand der Westliche Buddhistische Orden (WBO), die Ordensgemeinschaft, die den eigentlichen Kern des FWBO bildet. Als die ersten Ordensangehörigen genügend Erfahrung gesammelt hatten, begannen sie selbst Meditation und Buddhismus zu unterrichten. Bald entstanden weitere buddhistische Zentren der FWBO in Großbritannien und auch in anderen Ländern.

Die tief befriedigende und intensive Erfahrung, die sie auf längeren Meditationszeiten – sogenannten Retreats – machten, führte einige der Menschen im FWBO dazu, auch außerhalb der Retreatsituation nach Möglichkeiten für gemeinschaftliches Leben und Praktizieren zu suchen: Es entstanden erste buddhistische Wohngemeinschaften. Der Wunsch, auch die Arbeitssituation so ethisch wie möglich und für die buddhistische Praxis förderlich zu gestalten, führte bald zur Gründung erster "Betriebe Rechten Lebenserwerbs", in denen Buddhisten zusammen arbeiteten.

Der FWBO wuchs in den Siebziger- und Achtzigerjahren schnell an und wurde zu einer der größeren buddhistischen Bewegungen im Westen. Heute gibt es etwa 120 Stadtzentren und Ortsgruppen sowie 17 Retreatzentren des FWBO in über zwanzig Ländern. In Großbritannien, Indien, Australien und Neuseeland ist der FWBO eine der größten buddhistischen Gemeinschaften und gewinnt auch in Westeuropa und den USA zunehmend an Bedeutung.

Der Westliche Buddhistische Orden selbst ist mittlerweile zu einer spirituellen Gemeinschaft von über 1300 Frauen und Männern herangewachsen, die die buddhistische Praxis zum zentralen Anliegen ihres Lebens gemacht haben.

Sangharakshita hat nach und nach seine Verantwortlichkeiten an einige seiner erfahrensten Schülerinnen und Schüler übertragen. Gemeinschaftlich und in Zusammenarbeit mit dem gesamten Orden führen diese seine Arbeit fort: eine dynamische buddhistische Bewegung wachsen zu lassen, die immer weiter zu lernen sucht, wie man so vielen Menschen wie möglich eine wirksame buddhistische Praxis ermöglicht.

Wer Ausführlicheres über die Entstehung des FWBO erfahren möchte, sei auf eine Serie von vier Dokumentarfilmen verwiesen (mit deutscher Untertitelung), die in den meisten FWBO-Zentren ausleihbar sein dürften oder direkt bei ( Lights in the Sky ) bestellt werden können.

Der FWBO in Deutschland

1983 zogen zwei Angehörige des Westlichen Buddhistischen Ordens mit der Absicht nach Deutschland, auch hier den FWBO bekannt zu machen. In den ersten Jahren boten sie quer durch Deutschland Retreats und Wochenend-Workshops zu Buddhismus und Meditation an. Schließlich ließen sie sich im Ruhrgebiet nieder, wo 1988 das Buddhistische Zentrum Essen als erstes deutsches FWBO-Zentrum seine Türen für die Öffentlichkeit öffnete.

Mittlerweile leben in Deutschland etwa 30 Ordensangehörige. Außer in Essen gibt es FWBO-zentren in Berlin und Minden sowie FWBO-Übungsgruppen in Hamburg und Frankfurt. Im Sauerland hat der FWBO seit einigen Jahren ein eigenes Retreat-Zentrum mit dem Namen Vimaladhatu, "reines Reich".

Der FWBO und die buddhistische Tradition

Buddhisten anderer Traditionen, die den FWBO kennen lernen, fragen oft, welcher Traditionslinie wir denn angehören. Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten.

Als Sangharakshita in den Sechzigerjahren nach England zurückkehrte und beschloss, den Dharma im Westen anzubieten, empfand er sich nicht als Vertreter einer bestimmten Traditionslinie des Buddhismus. Obwohl er formell Theravada-Mönch war, war er von Anfang an von der inneren Einheit des gesamten Buddhismus überzeugt gewesen und zählte zu seinen wichtigsten Lehrern auch einen Zen-Lehrer sowie einige tibetische Vajrayana-Meister.

Als er zu unterrichten begann, bezog er daher von Anfang an Lehren und Methoden verschiedener buddhistischer Schulen ein. Er entschied sich dagegen, das abgeschlossene System einer einzelnen Traditionslinie zu übernehmen, die sich ja in Asien unter ganz bestimmten kulturellen Bedingungen und oft in geographischer Isolation von anderen Strömungen entwickelt hatte. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Grundprinzipien des Buddhismus, die allen Schulen gemeinsam sind, und suchte nach Arten und Weisen, diese im Kontext des modernen Westens auszudrücken und zu leben. Er vertraute darauf, dass die Erfahrung zeigen würde, welchen Ausdruck die universellen buddhistischen Prinzipien im neuen Umfeld finden würden, um so einen neuen westlichen Buddhismus hervorzubringen.

Stichwortartig könnte man die Stellung des FWBO innerhalb der buddhistischen Tradition folgendermaßen charakterisieren:

Wir betrachten uns als Erben des Buddhismus als Ganzem. Darum ordnet sich der FWBO keiner einzelnen der in Asien entstandenen Schulen zu, sondern respektiert sie alle und bezieht Inspiration aus der gesamten buddhistischen Tradition. In der Praxis betonen wir vor allem die frühen buddhistischen Lehren, aber vor dem deutlichen Hintergrund des Bodhisattva-Ideals.

Schriften

Beim Studium der buddhistischen Lehre folgt der FWBO keinem vorgeschriebenen Kanon. Dennoch gibt es einige Schriften, die besondere Beachtung gefunden haben und als wichtige Studientexte des FWBO gelten können. Hierzu gehören: der Pali-Kanon; das Bodhicaryavatara von Shantideva; die Prajnaparamita-Sutren (v.a. Herzsutra, Diamantsutra, Ratnaguna-samcayagatha); das Weiße-Lotus-Sutra; das Vimalakirti-Nirdesa-Sutra; das Goldglanz-Sutra.

Besondere Schwerpunkte der Lehre

Grundsätzlich sehen wir uns im FWBO primär einfach als Buddhisten und teilen mit allen anderen Buddhisten die gleichen Grundlehren und Prinzipien. Doch wir setzen, wie jede andere Schule, auch besondere Akzente.

(Die Darstellung einiger dieser Doktrin-Schwerpunkte im folgenden richtet sich vor allem an Menschen, die mit feineren Punkten der buddhistischen Lehre bereits vertraut sind. Daher werden manche Lehrbegriffe an dieser Stelle ohne nähere Erläuterung verwendet. Buddhismus-Neulinge mögen sich hiervon bitte nicht abschrecken lassen!)

Zufluchtnahme ist das Wichtigste

Wenn man fragt, was einen "echten" Buddhisten ausmacht, oder was das Wichtigste im Leben eines Buddhisten ist, sind verschiedene Antworten möglich. Sangharakshita hat immer betont, dass Zufluchtnahme das Allerwichtigste ist – also eine klare existenzielle, emotionale und verstandesmäßige Ausrichtung auf das Ideal der Erleuchtung, auf die Methoden, die der Buddhismus hierfür entwickelt hat und auf die spirituelle Gemeinschaft als Rahmen der Übung. Wenn ein Mensch sich nur aus vollem Herzen auf diese drei "Juwelen" ausrichtet und diese als höchsten Bezugspunkt für sein Leben wählt, kann er sicher gehen, dass er in seiner Übung kontinuierlichen Fortschritt machen wird. Zu sagen, dass der Akt der Zufluchtnahme das Wichtigste ist, heißt aber zugleich anzuerkennen, dass andere Dinge zweitrangig sind: ob etwa jemand als Mönch/Nonne oder als Laie lebt oder welche konkreten Praktiken man übt. Das soll keineswegs bedeuten, dass solche Entscheidungen unwichtig sind, aber sie leiten sich nach Auffassung des FWBO aus der Zufluchtnahme ab; das Wichtigste ist die Aufrichtigkeit und Intensität, mit der jemand Zuflucht zu den Drei Juwelen nimmt.

Das Bodhisattva-Ideal ist ein notwendiger Aspekt von Zufluchtnahme

Aus Sicht mancher buddhistischer Schulen ist Zufluchtnahme einer der ersten Schritte auf dem buddhistischen Übungspfad, und die Hinwendung zum radikal altruistischen Ideal des Bodhisattva, also zum Wunsch nach Erleuchtung zum Wohle aller Wesen, wird als eine höhere Stufe der Übung betrachtet. Im FWBO betrachten wir Zufluchtnahme aber nicht nur als eine Praktik "für den Anfang". Insofern Buddhaschaft die höchste Synthese von Weisheit und Mitgefühl darstellt, muss wirkliche Zufluchtnahme zum Ideal von Erleuchtung auch eine deutlich altruistische Dimension enthalten. Eine rein selbstbezogene Spiritualität ist ein Irrweg. Die Bemühung, das Bodhicitta hervorzubringen, ist demnach keine höhere oder zusätzliche Praktik im Leben eines Buddhisten, sondern die altruistische Dimension von Zufluchtnahme.

Stromeintritt ist in diesem Leben möglich

Sangharakshita hat immer betont, dass ernsthafte Praxis noch in diesem Leben Früchte tragen kann und wird. Als "Stromeintritt" bezeichnet die buddhistische Tradition jenen Punkt in der spirituellen Entwicklung, an dem der oder die Übende transzendente Einsicht erlangt und damit irreversibel auf dem Weg zur Erleuchtung ist. Auch wenn diese Erfahrung noch nicht mit der vollen Erleuchtung gleichzusetzen ist, hat der oder die Übende dann die Gewissheit, nicht mehr zurückfallen zu können. Sangharakshita ist der Überzeugung, dass es bei konsequenter und intensiver Übung möglich ist, noch in diesem Leben Stromeintritt zu erreichen, und hat seine SchülerInnen immer angespornt, dies ernsthaft anzustreben. Das Erwecken des Bodhicitta ist dabei mit dem Stromeintritt verbunden.

Die innere Einheit des Buddhismus

Manche Menschen betrachten die frühen Schulen des Buddhismus als die authentische Form der buddhistischen Lehre und die späteren Formen als Abweichung von der ursprünglichen Lehre. Andere wiederum betrachten die späteren Entwicklungen in der Geschichte des Buddhismus als "höhere" Lehren, die für die begabteren Schüler erteilt wurden. Im FWBO betrachten wir die Geschichte des Buddhismus eher als einen kontinuierlichen Versuch, den immer gleichen Wahrheiten immer neuen Ausdruck zu verleihen. In gewisser Weise könnte man sagen, dass der Buddhismus zu allen Zeiten und an allen Orten immer nur das Gleiche gesagt hat – aber in vielen verschiedenen Sprachen. Jede Lehre, jede Methode ist nur ein Hilfsmittel, ein "Fingerzeig", der zur unfassbaren Erfahrung von Erleuchtung weisen möchte, nicht diese höchste Erfahrung selbst. Und wie verschiedene Finger aus ganz unterschiedlichen Richtungen zu ein und demselben Mond zeigen können, so möchten die verschiedenen Lehren und Schulen auf unterschiedliche Weisen zur gleichen Erfahrung führen, die man Erleuchtung nennt.

Die Lehre vom bedingten Entstehen als grundlegende begriffliche Formulierung der Erleuchtungserfahrung

Das Wesen der Erleuchtungserfahrung ist nicht in Worte zu fassen, darüber sind sich alle Schulen einig. Und doch musste der Buddha zu Worten greifen, um zu versuchen, anderen die transzendente Einsicht zu vermitteln, die ihm zuteil geworden war. Als primären und damit grundlegendsten Ausdruck der Erleuchtungserfahrung auf der Ebene von Begriffen betrachten wir im FWBO die Lehre vom Bedingten Entstehen aller Phänomene (Sanskrit: pratitya-samutpada). Diese Lehre besagt, dass alle Phänomene – vom flüchtigsten Gedanken bis zu Galaxien – in Abhängigkeit von einer Fülle von Bedingungen entstehen und vergehen. Sie ist die allgemeinste Beschreibung der transzendenten Einsicht des Buddha, und damit das philosophische Fundament aller anderen Lehren. So können etwa die Vier Edlen Wahrheiten oder die Sunyata-Doktrin als Konkretisierung bzw. Ausarbeitung dieser Grundlehre betrachtet werden.

Die Bedeutung von Sangha

Im FWBO messen wir dem dritten der Drei Juwelen eine hohe Bedeutung bei. Wenn wir von Zufluchtnahme zum Sangha sprechen, meinen wir nicht nur die – relativ abstrakte – Hinwendung zum Arya-Sangha, also zur transzendenten Gemeinschaft von Erleuchteten, Bodhisattvas und Stromeingetretenen aller Zeiten. Zufluchtnahme zum Sangha muss auch in direktem, intensivem Kontakt mit anderen Übenden Ausdruck finden. Dabei wird im FWBO neben dem "vertikalen" Kontakt mit Lehrerinnen und Lehrern auch die "horizontale" Dimension spiritueller Freundschaft sehr hoch bewertet: Freundschaft unter Übenden auf dem gleichen Erfahrungsniveau wird von Anfängern bis zu erfahrenen Ordensangehörigen sehr ermutigt und gefördert. Diese Form spiritueller Freundschaft kann auch einer ungesunden Abhängigkeit vom Lehrer oder Guru entgegenwirken.

Das Übungssystem des FWBO

Wenn man wenig über Buddhismus weiß, stellt man sich unter "Übungssystem" vielleicht nicht viel mehr als ein Programm diverser Meditationspraktiken vor. So wichtig aber auch Meditation sein mag, ist sie doch nur einer von vielen verschiedenen Aspekten buddhistischer Übung.

Buddhismus zu praktizieren heißt, bereit zu sein, sich zu verändern. Es geht dabei nicht nur darum, ab und zu glückliche meditative Zustände zu erreichen. Buddhismus zielt darauf ab, etwas Grundlegendes im menschlichen Geist und Herz zu bewirken und berührt damit eigentlich alle Lebensbereiche. Darum legt der FWBO Wert auf eine ausgewogene Herangehensweise an den Buddhismus, die Intellekt, Emotionen, Alltag, menschliche Beziehungen und alle anderen Aspekte unserer Persönlichkeit mit einschließt.

Die wesentlichen Eckpunkte unseres Übungssystems lassen sich unter den Überschriften:

zusammenfassen.

Meditation

Meditation ist der direkteste Weg, den eigenen Geist besser zu begreifen und an ihm zu arbeiten. Allgemeines zu diesem Thema finden Sie unter dem Hauptmenü "Meditation", in dem auch unsere beiden Grundtechniken beschrieben werden. Die Vergegenwärtigung des Atems ist eine der ältesten Meditationstechniken und hilft den Geist zu beruhigen und zu konzentrieren. Die Metta Bhavana oder Liebende-Güte-Meditation hilft, eine positive emotionale Grundeinstellung sich selbst und anderen gegenüber zu entwickeln. Diese beiden Praktiken legen das unabdingbare Fundament für alle weiteren Techniken, und die meisten Übenden im FWBO brauchen lange Zeit nichts anderes. Vor allem während intensiverer Übungszeiten können sie durch Gehmeditation und durch die Übung Reinen Gewahrseins ergänzt werden. Regelmäßigkeit ist das A und O einer erfolgreichen Übung. Es kommt nicht darauf an, viele verschiedene Praktiken kennen zu lernen, sondern wenige Praktiken geduldig und ausdauernd zu üben.

Erst nach einer solchen gründlichen Vorbereitung - im Orden selbst und in der Vorbereitung auf Ordination - erlernen Übende im FWBO weitere Meditationsformen, die besonders auf die Entwicklung von Einsicht abzielen. Dazu gehören unter anderem die Sechs-Elemente-Praktik, in der die Prozesshaftigkeit und Vergänglichkeit aller Phänomene kontempliert wird, sowie verschiedene Visualisationspraktiken, die denen des tibetischen Buddhismus verwandt sind. Welche Praktiken in diesem Stadium angebracht sind, variiert von Mensch zu Mensch beträchtlich. Im Orden wird daher ein Fächer verschiedener Techniken gelehrt, aus denen der Einzelne, in Absprache mit seinen Lehrern, mit Bedacht auswählen kann.

Studium der buddhistischen Lehre

Im FWBO legen wir Wert darauf, ein breites Verständnis der buddhistischen Lehre zu vermitteln. Buddhismus ist seinem Wesen nach kein akademisches Fach, in dem es darum geht, theoretisches Wissen anzuhäufen. Er ist vielmehr ein praktisches Instrument, mit dem man an sich selbst arbeiten kann. Es ist sehr wichtig, ein klares intellektuelles Verständnis der verschiedenen Lehren zu erwerben, ebenso wichtig ist es aber, zu lernen, sie in den Alltag zu übertragen. Im FWBO werden Übende ermutigt, die Lehren in direkten Bezug zu ihrem Leben zu setzen.

Abgesehen von Vorträgen und Kursen, die vor allem einen einführenden Charakter haben, bieten wir in unseren Zentren fortlaufende Studiengruppen an, in denen Aspekte der buddhistischen Lehre vertieft werden. Die Teilnehmer lernen hier Inhalte aus der gesamten buddhistischen Tradition kennen. Neben den grundlegenden buddhistischen Lehren, die allen Schulen gemein sind (wie etwa die Vier Edlen Wahrheiten, der Edle Achtfache Pfad, die drei Merkmale bedingten Seins, Ethik, Grundlagen des Abhidharma u.v.m.) werden Lehren des Mahayana vermittelt, insbesondere die Grundeinstellung des Bodhisattvapfades. Die Teilnehmer lernen Schriften der verschiedenen Traditionen kennen, also Sutras aus dem Palikanon ebenso wie Mahayana-Sutras. Das Studium im FWBO folgt keinem festgelegten und rigiden Curriculum, soll aber im Laufe der Zeit dem Einzelnen ein sowohl rundes, als auch tiefes Verständnis der buddhistischen Lehre vermitteln.

Ritual

Alle buddhistischen Schulen kennen und schätzen Zeremonien und Rituale. Auch wenn im Westen viele Menschen zunächst einmal verhalten bis skeptisch auf religiöse Rituale reagieren, können sie doch im "spirituellen Handwerkszeug" eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend ist dabei zu erkennen, dass Rituale nicht einfach leere Formen oder kultureller Zierrat sind, sondern praktische und bewährte Methoden, die die emotionale und intuitive Seite des Menschen ansprechen und in die Übung einbeziehen.

Im FWBO steht Ritual nicht stark im Vordergrund, hat aber seinen berechtigten Platz. Dazu gehören Rezitationen grundlegender Texte (wie etwa die Zufluchten und Vorsätze; Verse zum Lob der Drei Juwelen; das Metta-Sutta; das Herz-Sutra u.a.) wie auch die Übung der "Siebenfältigen Puja" (aus Versen des Bodhicaryavatara von Shantideva). Auch Mantrarezitation wird im FWBO geübt und gelehrt.

Ethik

In traditionell buddhistischen Ländern käme niemand auf die Idee, sich mit Meditation oder dem Studium buddhistischer Lehren zu befassen, ohne sich vorher gründlich in Ethik geübt zu haben. Im Westen geschieht dieser Prozess oft in umgekehrter Reihenfolge: Erst durch Meditation wird dem Übenden bewusster, dass es auch in seinem alltäglichen Verhalten manches gibt, was nicht im Einklang mit den eigenen Idealen und Werten steht.

Im FWBO werden Übende ermutigt, die Grundsätze buddhistischer Ethik (Gewaltlosigkeit, Großzügigkeit, Zufriedenheit, Wahrhaftigkeit und Geistesklarheit, vgl. Hauptmenü "Buddhismus") immer mehr zum Leitfaden für das tägliche Verhalten zu machen. Dies ist ein allmählicher Prozess, der aber im Laufe der Zeit zu tiefgreifenden Veränderungen im Leben führen kann – denn Ethik berührt alle Lebensbereiche, vom Beruf über Familie und Freundschaft bis zum Freizeitverhalten.

Freundschaft

Menschen sind soziale Wesen. Menschliche Beziehungen sind nicht nur lebensnotwendig, sie haben auch eine starke Wirkung auf uns. Darum ist es wichtig, auch diese Dimension unseres Lebens in die buddhistische Übung einzubeziehen. Den wenigsten Menschen gelingt es, über lange Zeit alleine, also ohne Lehrer oder Gemeinschaft, eine wirksame buddhistische Übung aufrecht zu erhalten. Kontakt mit anderen Praktizierenden hilft die Motivation wach zu halten, gibt sowohl Ansporn und Anregungen als auch die notwendige "Reibung" und gelegentlich auch ein nötiges Korrektiv. Im FWBO legen wir großen Wert auf "spirituelle Freundschaft", auf einen lebendigen und aufrichtigen Austausch unter Übenden. Näheres dazu finden Sie unter dem Menü "Spirituelle Gemeinschaft".