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Buddhismus und ökologisches Gewahrsein: das P.S.-Netzwerk

Der Buddhismus vermittelt ein Weltbild, das nicht statisch ist, sondern das die Prozesshaftigkeit aller Phänomene betont: Nichts besteht eigenständig und in völliger Unabhängigkeit vom Rest des Universums, sondern alle Dinge stehen in Verbindung miteinander, beeinflussen einander, fließen in unergründbar komplexen Wechselbeziehungen dahin…

FWBO: Ökologie

Achtsamkeit der Umwelt ist Teil des Praxis

Es ist offensichtlich, dass solch ein Weltbild große Nähe zu einer "ökologischen" Betrachtungsweise aufweist. Seit jeher weiß der Buddhismus darum, wie innig der Mensch in das Netz von Natur, Tier- und Pflanzenwelt eingebunden ist. Wie einige alte Schriften eindrucksvoll belegen, wurde schon zur Zeit des Buddha großer Wert auf einen respektvollen und gewaltfreien Umgang mit anderen Lebewesen und den natürlichen Ressourcen gelegt.

Im FWBO hat sich ein informelles Netzwerk von BuddhistInnen gebildet, deren Anliegen es ist, das Gewahrsein hierfür angesichts der gegenwärtigen ökologischen Krise zu verstärken und konkrete Umweltschutz-Initiativen zu propagieren.

Das "P.S.-Netzwerk"

P.S. ist die Abkürzung von pratitya samutpada, eine der zentralen Lehren des Buddha über die Bedingtheit und Verwobenheit aller Erscheinungen. Das P.S.-Netzwerk möchte:

  • die Relevanz traditionell buddhistischer Lehren für gegenwärtige ökologische Fragen herausarbeiten und bekannter machen
  • alle Buddhisten einladen, einem Fünf-Punkte-Programm zu folgen, das zum Schutz der natürlichen Umgebung notwendig und für jeden realisierbar ist, und das sich aus buddhistischen Prinzipien ableiten lässt (s.u.)
  • in regelmäßigen Abständen Kampagnen zu konkreten Themen initiieren (z.B. Wechsel zu Anbietern von Ökostrom u.ä.)
  • Materialien, Anregungen und inspirierende Texte zum Thema Ökologie zur Verfügung stellen
  • ökologisch engagierte Buddhisten miteinander vernetzen, um Kräfte zu bündeln

Bislang ist P.S. vor allem in Großbritannien etabliert, und fast alle FWBO-Zentren haben dort mindestens einen offiziellen P.S.-Vertreter. In Deutschland hat sich ebenfalls eine kleine P.S.-Gruppe gebildet (Kontakt über das Buddhistische Zentrum Essen)

Das Fünf-Punkte-Programm von P.S.

  1. Weniger konsumieren
    Der Buddhismus lehrt ein einfaches Leben, das Glück nicht in materiellen Dingen sucht. Zufriedenheit und die Überwindung von Gier sind zentrale Werte in der buddhistischen Lehre. Eine ernsthafte buddhistische Übung schließt mit ein, dass man immer wieder die eigenen Konsumgewohnheiten überprüft und in Frage stellt: Was brauchen wir wirklich, und welche "Bedürfnisse" werden uns nur eingeredet?
  2. Weiser konsumieren
    In immer mehr Bereichen des Konsums haben wir die Möglichkeit zwischen verschiedenen Produkten zu wählen. Mit jeder Kaufentscheidung geben wir unsere Stimme ab für die Art von Welt, die wir wünschen. Zu unserer Übung von Ethik gehört also auch, sich zu informieren und weise zu wählen: gegen Produkte, die durch Ausbeutung oder Verletzung von Mensch, Tier und Natur hergestellt wurden und für Produkte, die nachhaltig und ethisch produziert wurden. So kann unser Geld eine Menge positiver Initiativen unterstützen: Biolandbau, Tierschutz, fairen Handel, lokale Produkte, Energieersparnis u.v.m.
  3. Kohlendioxid-neutral leben
    Eines der drängendsten ökologischen Probleme ist der durch den Treibhauseffekt drohende globale Klimawandel. Die Hauptursache hierfür ist Kohlendioxid-Ausstoß. Wir können vieles tun, um unseren eigenen Beitrag hierzu zu mindern: weniger Auto fahren, Flugverkehr und lange Transportwege von Produkten vermeiden, effizienter heizen, Strom sparen und zu Strom aus erneuerbaren Quellen wechseln… P.S. lädt alle Buddhisten ein, ihren Kohlendioxid-Ausstoß so weit zu reduzieren wie irgend möglich und dann ihren verbleibenden Ausstoß zu berechnen und durch Finanzierung von Baumpflanzungen zu kompensieren. Entsprechende Berechnungshilfen und Adressen sind z.B. auf der P.S.-Homepage zu finden.
  4. Naturschutzgebiete erschaffen und erhalten
    Das Kernproblem, das zu Umweltzerstörung führt, ist ein spirituelles: Wir erkennen nicht unsere wechselseitige Verbundenheit mit allen anderen Formen des Lebens. Eine der direktesten Methoden ein Gefühl der Verbundenheit zu stärken besteht darin, der Tier- und Pflanzenwelt um uns herum direkt nutzen. Sowohl gemeinschaftlich als auch im kleinen, privaten Bereich können wir Schonräume für die Natur einrichten.
  5. Das Bewusstsein schärfen
    P.S. betrachtet es als Aufgabe jedes Buddhisten, das Gewahrsein unserer Verbundenheit und Vernetztheit mit unserer natürlichen Umgebung zu entwickeln. P.S. strebt danach ökologisches Gewahrsein als festen Teil der ethischen Praxis moderner Buddhisten zu verankern, und nicht als Sonderinteresse gewisser alternativer Randgruppen.

Die ausführliche, englischsprachige Homepage von P.S. finden Sie unter: www.ecopractice.fwbo.org